Montag, 17. Juni 2013

Eine neue Leseprobe aus der Pakt: 


Auszug aus Kapitel zwei:

… Jessicas Körper spannte sich kampfbereit und wachsam an, doch vorerst zog sie sich noch weiter in die Hausnische zurück und spähte die düstere Straße herunter. Aus einer Seitengasse traten zwei Gestalten.
„Vielleicht sollten wir ihm zeigen, wie man eine Frau gefügig macht.“
„Ich kann ihm noch einiges beibringen.“
Wieder lachten die fremden Männer.
Dreckskerle!, dachte Jessica.
„Was soll das? Verpisst euch, ihr Arschlöcher!“, pöbelte der Arzt mutig zurück.
Oho. Muttersöhnchen kannte Schimpfwörter. Er wurde Jessica langsam sympathisch.
Die zwei Männer, die sich dem Pärchen in Kreisen näherten, hatten eine straff gespannte, auffällig glatte und faltenlose Haut, die fast so bleich war wie Papier. Das Weiße ihrer Augen war heller als bei Menschen, die Stimmen einlullend und düster, die Bewegungen schnell und fließend. Mehr katzengleich, denn menschlich, pirschten sie sich an ihre Opfer heran. Dies zusammen ließ nur eine Schlussfolgerung zu:
Vampire .

Dass sie auf offener Straße das Paar anzugreifen beabsichtigten, war Jessica Beweis genug. Es mussten die Blutsauger sein, wegen denen sie hier war. Sie hatte allerdings nur einen Abtrünnigen erwartet. Schnäppchen. Zwei für den Preis von einem. Aber sie war allein. Verdammt. Jessica zog ihre SIG und taxierte nochmals die Umgebung, ob sich noch mehr Feinde zeigten, aber zum Glück konnte sie niemanden ausmachen.
Auf Mike konnte sie nicht warten. Sie wollte die Menschen nicht ihrem Schicksal überlassen und sie von den verfluchten Parasiten aussaugen lassen. Abgesehen davon, dass die beiden Vampire sie bereits bemerkt hatten und zu ihr herüber blickten. Da Jessica die typische olivgrüne Kleidung der Wächter trug, erkannten sie umgehend, was sie war.
„Sieh an, mein junger Freund. Eine Wächterin“, sagte einer von ihnen und schien sich zu freuen sie zu sehen. Das würde sich bald ändern. Noch wusste er nicht, welchem Wächter er gegenüberstand!

„Wächter, misch dich nicht ein. Das hier geht dich nichts an“, zischte der größere von ihnen und klang im Gegensatz zu seinem Kumpanen wütend. Er war untersetzt. Es war der erste dicke Vampir, dem Jessica jemals begegnet war. Der Körper von Verwandelten veränderte sich nicht mehr. Er konnte trainieren, so viel er wollte, er würde immer ein Pummelchen bleiben. Scheiße, und gegen sein Gesicht konnte er auch nichts machen. Seine Nase war so groß, dass es beinahe komisch aussah. Pech für ihn.
„Was soll das? Verschwinden Sie oder ich rufe die Polizei.“ Muttersöhnchen wurde richtig sauer und baute sich vor seiner kleinen Freundin auf, die hinter seinem Rücken Schutz suchte. Sein Handy lag schon einsatzbereit in seiner Hand.
Aha. Mit einer Handtasche verhauen konnte Muttersöhnchens Darling ihn, aber wenn wirkliche Gefahr drohte, sollte er sie trotzdem beschützen. Blöde Kuh!, dachte Jessica.
„Ich bin von der Polizei, Sir! Ich habe alles unter Kontrolle“, log Jessica, da sie die Cops genauso wenig hier haben wollte, wie die Blutsauger, an die sie sich jetzt wandte. „Ganz Recht, Parasit. Ich bin ein Wächter und ich knall dich ab!“, sagte sie völlig kalt und schoss. Das Liebchen von Muttersöhnchen schrie auf. Er hingegen reagierte erstaunlich besonnen, warf seine Freundin auf den Boden und sich selbst schützend auf sie.
„Sie können doch nicht einfach schießen“, rief der Arzt entsetzt. Wenn er wüsste wer, nein was, diese Männer in Wirklichkeit waren, würde er sich nicht daran stören, dass sie losgeballert hatte. Dennoch hoffte Jessica, dass er es nicht erfahren würde.

Jessica zog ihr langes Kampfmesser aus ihrem Stiefel. Ihre beiden Wurfmesser lagen noch verborgen in den an ihren Unterarmen umgeschnallten Scheiden und warteten geduldig auf ihren Auftritt. Die Jacke war weit genug geschnitten, dass sie problemlos die Griffe ergreifen und sie herausziehen  konnte.
„Miststück!“, brüllte der dicke Vampir, auf den sie geschossen hatte. Er war mit einer Geschwindigkeit ausgewichen, die kein Mensch erreichen konnte, dennoch hatte Jessica ihn zweimal am linken Oberschenkel treffen können. So lange die Blutsauger keine beträchtliche Menge Blut verloren, war dies bedauerlicherweise keine Verletzung, die einen von ihnen länger als einige Sekunden aufhielt, da ihre Wunden zu schnell heilten.
Beide Vampire näherten sich Jessica. Der eine von rechts, der andere von links.
„Ich rieche dein Blut, Wächterin. Mhm, welch ein ungewöhnlich anziehendes Aroma. So verlockend, wie ich es bisher bei keinem anderen Menschen gerochen habe“, sagte der kleinere, nicht dicke Vampir. Sein Haar war beinahe schwarz und hing ihm in klebrigen Strähnen ins Gesicht. Erst als er näher kam, erkannte Jessica, dass es frisches Blut war,  das sein Haar dunkler färbte und feucht glänzen ließ. Muttersöhnchen und seine Freundin wären heute Nacht nicht ihre ersten Opfer gewesen.

Jessica kämpfte gegen die Übelkeit an und stürmte auf den kleinen Vampir zu, der in die Luft sprang, um sich von oben auf sie zu stürzen.
Jessica machte einen Hechtsprung nach vorn, unter ihn hindurch, und drehte ihren Körper im Flug einmal um die eigene Achse, damit sie mit dem Gesicht nach oben durch die Luft glitt. Sie rammte ihr Messer geübt in den weichen Bauch über ihr und schlitzte den völlig überraschten Blutsauger bis zu seiner Brust auf. Das würde selbst einen Parasiten wie ihn etwas beschäftigen. Unsanft schlug sie mit dem Rücken auf den Asphalt. Durch den harten Aufprall wurde ihr die Luft aus den Lungen gepresst. Bei einem Kampf mit Vampiren konnte jede Rücksichtnahme auf Schmerzen ihren Tod bedeuten, deshalb schoss Jessica schon im Fall und auch nach ihrer Landung ununterbrochen auf den zweiten Blutsauger, der bereits auf sie zu gerannt kam. Sie verfehlte ihn jedoch und fluchte. Auch jeder noch so kleine Fehler konnte ihr Todesurteil sein, und sein Ziel zu verfehlen war weiß Gott kein kleiner Fehler. Ihre Hand war nass von dem kalten Blut des Vampirs und der Griff des Messers wurde dadurch glitschig. Jessica musste aufpassen, dass sie es nicht fallen ließ. Der magische, anziehende Duft von Vampirblut, nach Eisen und Minze, hüllte sie ein, doch eine erfahrene Wächterin wie sie, ließ sich davon nicht ablenken.
„Rennt! Los!“, rief sie dem Arzt und seiner Freundin zu. Letztere klammerte sich kreischend an Muttersöhnchen. Beide waren jetzt fast so bleich wie die Vampire, und lagen tatsächlich noch immer auf dem Bürgersteig und starrten Jessica und die Vampire schockiert an …
 
(unter der Seite `Leseproben` könnt ihr weiter schmökern. Ich wünsche euch viel Spaß.)
 


Kommentare:

  1. Sehr schön und spannend geschrieben. Ich bin wirklich neugierig auf das Gesamtwerk und will gar nicht mehr warten. *rummaul*
    Übrigens nochmal danke für das nette Gespräch am Abend. :)
    Ich gehe jetzt weiter schmökern und denke, dass ich Spaß dabei haben werde. *gg*
    Liebe Grüße
    Leona

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